Diskussion über die medizinische Versorgung von Menschen mit geistiger Behinderung

Menschen mit geistiger Behinderung haben einen grundgesetzlich verbrieften Anspruch auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Dieser Anspruch auf Inklusive, so lautete der Tenor auf dem Kolloquium „Vergessene Patienten? Medizinische Versorgung von Menschen mit geistiger Behinderung“ der Ärztekammer Nordrhein am 17. April in Düsseldorf, umfasst dabei auch eine vollwertige, hochstehende, zeitnahe und wohnortnahe medizinische Versorgung. Doch noch immer stoßen Menschen mit geistiger, psychischer und körperlicher Einschränkung – und ihre Angehörigen – auf sprachliche, zeitliche, bauliche, institutionelle, finanzielle und nicht zuletzt diagnostische Barrieren.

Um diese Barrieren abzubauen, forderten die Referenten – eine Angehörige und gesetzliche Vertreterin eines Bruders mit geistiger Behinderung, ambulant und stationär tätige Ärzte und der Behindertenbeauftragte von NRW – zum Beispiel eine um die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit geistiger Behinderung ergänzte Aus-, Weiter- und Fortbildung von Ärzten und Pflegekräften, neurologische Schwerpunktpraxen für Erwachsene, die an Epilepsie leiden, Psychotherapie-Kompetenzzentren ebenfalls für Erwachsene oder die Einrichtung von Lehrstühlen für Medizin für Menschen mit geistiger Behinderung. Für Professor Dr. Susanne Schwallen, Geschäftsführende Ärztin der Ärztekammer Nordrhein, die die Veranstaltung moderierte, lassen sich diese Forderungen in einem Satz zusammenfassen: Notwendig ist eine neue Haltung gegenüber Menschen mit einer körperlichen, geistigen oder psychischen Besonderheit.
In NRW leben etwa 1,8 Millionen Menschen mit einer Behinderung, etwa jeder neunte von ihnen leidet an einer geistigen oder psychischen Einschränkung.

Quelle: Rheinisches Ärzteblatt
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